
ver.di und DGB gegen Beamtenschelte
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Berlin-Brandenburg hat die Darstellungen zur Vermögenssituation der Beamten scharf zurückgewiesen. „Ich habe es satt, dass Beamtinnen und Beamte als Privilegierte mit Ärmelschonern dargestellt werden“, so Bezirksvorsitzender Dieter Scholz. „Unsere Beamten verdienen heute weniger als 2003.“ Damals sei das Weihnachts- und Urlaubsgeld drastisch gekürzt und bis heute nicht wieder ausgeglichen worden.
„Wenn es um Vermögensanhäufung in diesem Land geht, denke ich nicht an Beamte. Da fallen mir ganz andere Gruppen ein“, stellte Scholz klar. „Wir brauchen einen differenzierten Blick. Man kann nicht die Pension mit einrechnen und besondere Belastungen außen vor lassen“, kritisiert Scholz. „Wenn eine Lehrerin wegen veränderter Schülerzahlen von Cottbus nach Potsdam versetzt wird, dann muss sie dem folgen“, bemerkt Scholz. „Das Häuschen in Cottbus verkauft sie weit unter den Baukosten.“ Solche Vermögenseinbußen tauchten in der Diskussion aber nicht auf.
„Wenn es den Beamten so gut geht, warum fehlt es dann an Bewerbern?“ Scholz verwies auf harte Arbeitsbedingungen der Beamtinnen und Beamten. „Wenn nachts ein Auto brennt oder 1. Mai ist, da müssen die Kolleginnen und Kollegen bei Polizei und Feuerwehr raus, da fragt keiner“, so Scholz. „Unseren Beamtinnen und Beamten wird viel abverlangt und ihnen werden elementare Rechte wie das Streikrecht verwehrt.“ Der DGB sei für eine Angleichung des Personalrechts von Angestellten und Beamten. „Dabei müssen dann aber auch die besonderen Belastungen für Beamtinnen und Beamte auf den Tisch.“
Gerade die bei den Postnachfolgeunternehmen eingesetzten Beamten spüren den Druck des Marktes. Ihnen werden die selben Ziele gesetzt wie den tariflichen Beschäftigten, aber sie werden nach dem Willen der Unternehmesvorstände nach wie vor nach öffentlichem Recht besoldet. Werden Ziele nicht erreicht, droht die bundesweite Versetzung nach Irgendwohin, wozu der Arbeitgeber mit Dienstherreneigenschaft befugt wurde. Danach wird der Arbeitsplatz regelmäßig mit Leih- und Zeitarbeitnehmern besetzt. „Nirgends wurde so gespart wie beim Personal des öffentlichen Dienstes“, mahnte Scholz. Tarifbeschäftigte und Beamte dürften sich nicht gegeneinander ausspielen lassen. Im Hinblick auf die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst stellte Scholz klar: „Die Beamtinnen und Beamten im DGB stehen solidarisch an der Seite ihrer angestellten Kollegen.“
Der DGB-Bundesvorstand ergänzt hierzu: Die Sicherheit im Alter durch Anwartschaften aus Rente und Beamtenpension habe einen hohen Stellenwert für die Menschen in Deutschland. Daher sei es verfehlt, eine Neiddebatte vom Zaun zu brechen. Um tragfähige Vergleiche anstellen zu können, müsse beispielsweise der Anteil von Akademikern im Beamtenverhältnis berücksichtigt werden, ebenso wie eine Differenzierung nach Beamten und Angestellten mit ähnlichen Aufgaben und vergleichbarer Verantwortung. Dann würde deutlich werden, dass sowohl Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft mit betrieblicher Altersversorgung als auch Angestellte im öffentlichen Dienst mit ihrem Alterssicherungsvermögen höhere Ansprüche haben wie Beamtinnen und Beamte.